MONAliesA - feministische Bibliothek

Streifzüge in Bibliotheken 2

Das Haus der Demokratie in Leipzig-Connewitz ist ein einziges Sammelsurium von Vereinen und Initiativen und beherbergt außerdem Büros, einen Biergarten, das Tanzcafé Ilses Erika, die Kinobar Prager Frühling … und? Zwei wunderbare Bibliotheken. Eine ist die Umweltbibliothek Leipzig. Die zweite ist Thema des heutigen Beitrags.

Die MONAliesA ist eine öffentliche Spezialbibliothek, die in erster Linie feministischen Themen gewidmet ist. Sie versteht sich als Ort des Austauschs und der Diskussion und folgt dem Grundsatz, „bestehende Geschlechterrollen und -verhältnisse kritisch zu reflektieren und deren weitere Entwicklung im Sinne der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau aktiv zu beeinflussen.“1
Denn die Gleichstellung der Geschlechter werde zwar hierzulande gepriesen, die Realität sehe jedoch oft noch anders aus. Zweigeschlechtlichkeit als Norm wird von den Bibliotheksmacherinnen kritisch hinterfragt.

Deswegen engagieren sich die Mitarbeiter_innen in diesem Bereich und ermöglichen trotz knapper Mittel qualitativ hochwertige Bibliotheks-, Archiv-, Bildungs- und Kulturarbeit. Meist geschieht dies in Halbzeit oder ehrenamtlich. Rund 10 - 12 Personen sind insgesamt in der Bibliothek tätig. Seit 2008 ist sie Einsatzstelle für den Bundesfreiwilligendienst .

Aber wie entstand eigentlich diese Einrichtung?
Die ersten feministischen Bücher von Susanne Scharff, der Gründerin der Bibliothek, passten noch in eine einzige Kiste. Heute sind einige Räume für den Bestand nötig, der auf rund 20.000 Bände angewachsen ist. Doch bis dahin war es ein langer Weg.
1990 ist das Geburtsjahr der Bibliothek. Schon drei Jahre später organisierte sie die 20. Fachtagung der deutschsprachigen Frauenbibliotheken- und Archive. (Link)

Bereits zweimal war die Fortexistenz der Bibliothek bedroht, weil öffentliche Gelder gestrichen wurden. 2013 kam es deswegen für ein dreiviertel Jahr zur Schließung der MONAliesA. 2014 markiert in vielerlei Hinsicht einen Neuanfang: Im September wurde die Bibliothek durch den neuen Trägerverein Lotta e.V. wiedereröffnet. Damals kam es personell und inhaltlich zu einem Bruch, und die Einrichtung bekam ihren jetzigen Namenszusatz "feministische Bibliothek".
Ein ganzes Jahr lang wurde sie ausschließlich durch Spenden finanziert. Erst 2015 erhielt der Verein dank tatkräftiger Unterstützung von Freund_innen, Stadträtinnen und Stadträten die institutionelle Förderung durch das Kulturamt der Stadt Leipzig.

Und welche Bücher stehen in einer „feministischen Bibliothek“? (Wenn Sie es selbst herausfinden möchten, geht es hier direkt zur Katalogsuche). Das Themenspektrum ist breit, und beleuchtet Feminismus in Hinblick auf verschiedenste Aspekte. Ein Schwerpunkt der Sammlung liegt auf Schriftsteller_innen der DDR und der Frauenbewegung der DDR sowie der Wendezeit. Zum einen bedeutet das natürlich einen großen Bestand an Sachliteratur. Geschichte, Recht, Philosophie, Sexualität, (…) alle erdenklichen Sachgebiete sind hier vertreten. Im Zeitschriftenarchiv sind 720 verschiedene Titel verzeichnet und rund 6000 Hefte warten darauf, entdeckt zu werden.

Zum anderen ist auch ein großer Bestand an Romanen und Lyrik zu finden. In Hinblick auf Genres gibt es keine Einschränkungen. Aber es wird darauf geachtet, welche Rollen Frauen von den Autor_innen zugedacht werden. Letztere können übrigens männlich oder weiblich sein, der Inhalt entscheidet ob ein Buch in den Bestand kommt.

Die Abteilung Mädchenbibliothek richtet sich an junge Leserinnen und enthält Romane und Sachliteratur zu Themen wie Liebe, Beziehung, Sexualität, Freundinnen und Gefühlen. Sie bietet neben Unterhaltung vor allem auch die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit der weiblichen Identität. 

Zu guter Letzt ist die Graue Literatur (also Dokumente, die nicht über den Buchhandel vertrieben werden) zu nennen. Hier finden sich unveröffentlichte Dokumente aus den letzten 70 Jahren der Frauenbewegung. Dies können Plakate, Flyer, Fotos, Protokolle, Fan-Zines und mehr sein.
Ein Teil der Grauen Literatur bildet das "Queer-Feministische Archiv". Hier werden Materialien gesammelt, die mit queer- oder frauenpolitischen Bewegungen in Verbindung stehen und diese dokumentieren. Weiterführende Infos gibt es hier.

Neben ihrer Rolle als Spezialbibliothek fungiert die MONAliesA auch als Veranstaltungsort und Teil eines lokalen und internationalen Netzwerkes. Letzteres schließt die Kooperation mit diversen Vereinigungen und Einrichtungen ein. Insbesondere ist hier die Mitgliedschaft im Dachverband deutschsprachiger Frauen-/Lesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen (i.d.a.) zu nennen, in dem rund 40 Einrichtungen aus ganz Deutschland vertreten sind.

Vielleicht haben Sie Lust bekommen selbst mal vorbeizuschauen. Die Veranstaltungen im Zuge der Buchmesse bieten dafür eine gute Gelegenheit. Oder auch der jüngst entstandene Leseklub. Die MONAliesA ist auch auf Facebook zu finden.

 

 

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